Hessisches „Hundegate“: Innenministerium verschweigt weiter die Gesamtzahl der getöteten Hunde

Sulzbach/Ts., 11. Januar 2017 – Nachdem das Innenministerium noch vor wenigen Monaten behauptet hat, dass in den Jahren 2000 bis 2002 keine statistische Erfassung der aufgrund der Hundeverordnung getöteten Hunde erfolgt sei, räumt das Ministerium jetzt ein, dass doch entsprechende Erhebungen existieren. Dies geht aus den Antworten der Landesregierung auf insgesamt vier Anfragen der Fraktion DIE LINKE im Hessischen Landtag hervor. Dennoch werden seitens des Ministeriums immer noch keine konkreten Zahlen für diesen Zeitraum genannt.

„Nach den zahlreichen uns vorliegenden Unterlagen beläuft sich die Zahl der getöteten Listenhunde und Nicht-Listenhunde in den vergangenen 16 Jahren auf etwa 500. So hat das Ministerium 2004 gegenüber dem Verwaltungsgerichtshof Hessen und der Bundestierärztekammer die Zahl von 456 getöteten Hunden für den Zeitraum von August 2000 bis September 2003 angegeben“, sagt Mike Ruckelshaus, Leiter Tierschutz Inland bei TASSO e.V. „In der Landtagsdrucksache 16/235 aus dem Jahr 2003 spricht das Innenministerium von 299 auf Anordnung getöteten Hunden in den Jahren 2000 bis 2002 und listet diese nach Rassen auf. Wenn das Innenministerium nun im Nachhinein die alten Zahlen als nicht verlässlich bezeichnet, wirkt dies besonders erschreckend, da diese Daten dazu beigetragen haben, die Rasseliste aufrecht zu erhalten.“

„Obwohl in Hessen so viele Hunde im Rahmen der Hundegesetzgebung getötet wurden wie in keinem anderen Bundesland und Kosten in Höhe von mehreren Millionen Euro aufgrund der Rasseliste entstanden sind, wurde die Sicherheit nicht verbessert. Ein signifikanter Rückgang der Beißvorfälle, bei denen Menschen verletzt wurden, ist in den vergangenen zehn Jahren nicht zu verzeichnen, in einigen Jahren ist die Zahl dieser Beißvorfälle sogar angestiegen“, erklärt Mike Ruckelshaus. „Dabei wurden die meisten Vorfälle von Schäferhunden verursacht, die nicht gelistet sind, während Listenhunde wie American Staffordshire Terrier oder Bullterrier kaum auffielen.“

„Mit besonderem Erstaunen haben wir die Erläuterung des Ministeriums zur Kenntnis genommen, der zufolge Hunderassen von der Liste gestrichen werden, wenn innerhalb von vier Jahren keine Beißvorfälle zu verzeichnen sind und die Durchfallquote beim Wesenstest unter drei Prozent liegt und infolgedessen im Jahr 2000 der Bandog von der Liste gestrichen wurde“, sagt Mike Ruckelshaus. „Allerdings existiert keine Hunderasse namens Bandog. Bandog heißt übersetzt nichts weiter als Kettenhund.“

„Wir fordern die Abschaffung der Rasseliste zugunsten einer modernen Hundegesetzgebung, die dem berechtigten Sicherheitsbedürfnis der Bürger und den Anforderungen an eine art- und verhaltensgerechte Hundehaltung Rechnung trägt. Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben dies bereits vorgemacht und die Rasseliste abgeschafft. Hessen sollte diesen Beispielen folgen“, so Mike Ruckelshaus abschließend. „Doch zunächst soll das Innenministerium endlich die tatsächlichen Gesamtzahlen der in den letzten 16 Jahren getöteten Hunde auf den Tisch legen.“