Welpenbrenner von Weinböhla kommt mit Geldstrafe davon

Amtsgericht Meißen tritt Staatsziel Tierschutz mit Füßen

Sulzbach (Ts.) / Weinböhla – Der Tierquäler, der im April 2016 einen Hundewelpen auf einem Waldparkplatz in Weinböhla (Landkreis Meißen) bei lebendigem Leib verbrannt hatte, hat einen Strafbefehl akzeptiert, der eine Geldstrafe in Höhe von 2.400 Euro (80 Tagessätze zu 30 Euro) und ein auf zwei Jahre befristetes Hundehaltungsverbot beinhaltet. Ein Gerichtsverfahren wird somit nicht eröffnet.

Die Tierschutzorganisation TASSO e. V. kritisiert dieses viel zu milde Urteil angesichts der Schwere des Vergehens. „Diese abscheuliche Tat erfüllt unserer Ansicht nach den Tatbestand des § 17 Tierschutzgesetz und hätte mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden können, da hier ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund getötet wurde beziehungsweise ihm aus Rohheit erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt wurden“, so Mike Ruckelshaus, Leiter Tierschutz Inland bei TASSO. „Es ist uns unverständlich, dass seitens des Gerichts kein Verfahren eröffnet wurde. Das im Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz wurde hier von der Justiz eklatant mit Füßen getreten.“

„Leider wird die Staatszielbestimmung Tierschutz auch 15 Jahre nach ihrer Einführung zu wenig von Staatsanwaltschaften und Gerichten berücksichtigt, was dazu führt, dass klare Verstöße gegen das Tierschutzgesetz von den Justizbehörden nicht als solche erkannt und deshalb auch nicht strafrechtlich verfolgt werden. Dies belegt auch eine wissenschaftliche Untersuchung*“, sagt Mike Ruckelshaus. „Diese Studie nennt als Gründe für die Ablehnung von Tierschutzverfahren unter anderem ein bei Staatsanwaltschaften und Richtern geringes Tierschutzengagement beziehungsweise -interesse sowie mangelnde Fachkenntnisse der Tierschutzgesetze als auch der Bedürfnisse und des Schmerzempfindens von Tieren.“

„Wir sind empört, dass sich der Täter für diese an Grausamkeit kaum zu überbietende Tat nicht vor einem Gericht verantworten muss“, so Mike Ruckelshaus abschließend. Die Tierschutzorganisation TASSO hatte im vergangenen Jahr eine Belohnung in Höhe von 500 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des Täters führen. 

*„Eine explorative Analyse der Zusammenarbeit zwischen Veterinärämtern und Staatsanwaltschaften bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz“ von Dipl.-Ing. agr. Angela Bergschmidt, Thünen-Institut für Betriebswirtschaft: https://www.thuenen.de/media/publikationen/thuenen-workingpaper/ThuenenWorkingPaper_41.pdf